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Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) als Motor der Elektromobilität der Zukunft

Projektbeschreibung

Disruptive Technologien haben das Potenzial, Märkte dramatisch zu verändern: Dominante Positionen können dann besonders solche Unternehmen erlangen, die neu am Markt auftreten oder sich von traditionellen Strukturen lösen und wichtige Innovationen ohne Verzögerung umsetzen. Elektromobilität ist eine solche disruptive Veränderung. Der elektrische Antrieb von Fahrzeugen ist jedoch nur der Katalysator für den eigentlichen Wandel: Vor allem ändert sich die Architektur und die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT-Architektur) für das Fahrzeug der Zukunft. Die IKT gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird damit zu einem treibenden Faktor.

Die IKT ist bereits heute in Form von Elektrik und Elektronik im Auto (Automotive E/E) essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie. Sie entfaltet ihre Wirkung besonders, indem sie Fahrleistung und -komfort verbessert sowie zur passiven und aktiven Sicherheit beiträgt. Im Elektrofahrzeug reicht die Wirkung jedoch weiter: IKT wird zur Grundlage der Fahrfunktionen selbst. Architekturen und Technologien für IKT im Fahrzeug dürfen deshalb nicht nur wie bisher als Rahmen für evolutionäre, schrittweise Neuerungen angesehen werden. Stattdessen müssen sie so zukunftsgerichtet überarbeitet werden, dass sie ihre künftig unverzichtbare Rolle bei der revolutionären Entwicklung des Automobils erfüllen können.

Elektromobilität spielt eine Doppelrolle: Zum einen macht sie eine neue IKT-Architektur im Auto erforderlich. Zum anderen schafft sie aber erst die Möglichkeit einer solchen revolutionären Architektur: Sie verschiebt die notwendigen Kernkompetenzen, senkt die Barrieren für den Markteintritt und verändert dadurch die Spielregeln des Markts. Mit einer neuen IKT-Architektur ist es für einen Neueinsteiger einfacher, vom Low-Cost- ins Premiumsegment der Elektromobilität aufzusteigen, als innerhalb des Premiumsegments von der herkömmlichen IKT-Architektur ohne Elektromobilität zur zukünftigen mit Elektromobilität zu wechseln. In der Konsequenz haben neue Wettbewerber die Chance, in etablierte, gesättigte Märkte einzudringen.

Die Bedeutung der zukünftigen IKT-Architektur geht weit über den Wechsel zur Elektromobilität hinaus. Aus historischen Gründen ist die herkömmliche Architektur hochkomplex; sie wird deshalb immer mehr vom Innovationstreiber zur Innovationsbremse. Eine neue Architektur wird dagegen neue Ansätze und Funktionen – von mehr Autonomie beim Fahren bis hin zur tieferen Integration des Fahrzeugs in die IKT-Infrastruktur – ermöglichen und damit wesentlich dazu beitragen, dass gesellschaftspolitische Ziele wie Energieeffizienz und eine Verringerung der Unfallzahlen erreicht werden.

Durch Elektromobilität wird die Informations- und Kommunikationstechnik im Automobil viel wichtiger. Das hat tief greifende Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland: Kompetenzen verschieben sich, und die Strukturen der Wertschöpfung verändern sich. Es gibt keinen Zweifel: Auch ein gewisses Maß an Selbstkannibalisierung der Fahrzeugindustrie ist unververmeidbar. Deshalb müssen sich Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung sowie Politik in einer konzertierten Aktion zusammentun, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in einer seiner Kernindustrien zu sichern.

Forschungsbeitrag

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Forschungsprojekts "eCar-IKT-Systemarchitektur für Elektromobilität" wurde die Rolle der IKT-Architektur im Fahrzeug im Kontext der Elektromobilität analysiert. Dazu wurden die wesentlichen gesellschaftlichen und technologischen Treiber genannt und auf dieser Grundlage Szenarien für Elektrofahrzeuge und die Charakteristika zukünftiger IKT-Architekturen aufgezeigt. Auch auf die Veränderungen der Wertschöpfung im Automobilsektor, die sich daraus ergeben,ging das Projekt ein. Auf der Basis aller Resultate wurden die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken benannt (SWOT-Analyse), die in Handlungsempfehlungen an Politik, Industrie und Wissenschaft münden.

Partner

ESG - www.esg.de

Deutsches Dialoginstitut - www.dialoginstitut.de

LMU München - www.uni-muenchen.de

Siemens AG (Konsortialführer) - www.siemens.com

Technische Universität München - www.tum.de

Förderung

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.