fortiss Wissenschaftler Tewodrow Beyene

Security Knight

Tewo steht für Softwaresicherheit und -zuverlässigkeit autonomer und cyber-physischer Systeme ein.

Kannst du uns einen Einblick in deine Arbeit bei fortiss geben?

Ich arbeite als promovierter Wissenschaftler im Kompetenzfeld Software Dependability und konzentriere mich hauptsächlich auf die Anwendung formaler Methoden im Softwareentwicklungs-Lebenszyklus von den Anforderungen über den Entwurf bis zur Implementierung. Ich untersuche sicherheitskritische Systeme zusammen mit ihren Verifikations- und Zertifizierungsprozessen. Sicherheitskritische Systeme sind solche Systeme, bei denen Entwicklungsfehler Menschenleben gefährden können. Beispiele für solche Systeme sind Flugleitsysteme in Flugzeugen. Ich arbeite auch an Methoden zur Schaffung und Aufrechterhaltung von Beweisen für Sicherheitseigenschaften. Ziel ist es, den Prozess der Zertifizierung und Neuzertifizierung von sicherheitskritischen Systemen zu automatisieren. Ich habe einen Rahmen für die Erstellung und Aufrechterhaltung von Zertifizierungsnachweisen für unsere Industriepartner in der Luft- und Raumfahrt implementiert. Das Rahmenwerk wurde gemeinsam mit der SRI International entwickelt, die unser Forschungspartner in den USA ist.

Wie bist du auf fortiss aufmerksam geworden?

Mein Doktorvater an der Technischen Universität München hat mir fortiss empfohlen, da ich gern anwendungsorientierte Forschung betreiben wollte.

Was ist dir in den letzten Monaten besonders gut gelungen?

Die Softwarezertifizierung wird heutzutage noch manuell durchgeführt und ist damit fehleranfällig und zeitaufwendig. Software-Evidences sind hier sicherer und schneller. In dem Zusammenhang ist es mir gelungen, unser Framework für die Nachweisverifikation mit der DLT-Technologie (Blockchain) zu integrieren. Damit kann eine automatisierte und verteilte, evidenzbasierte Verifikation und Zertifizierung von sicherheitskritischen Systemen ermöglicht werden. Es spart Unternehmen und vor allem ihren Entwicklern daher Geld und Zeit, Software zu zertifizieren.

"Für alle, die motiviert sind, ihr theoretisches Wissen in einer realen industriellen Umgebung anzuwenden, ist fortiss ein großartiger Ort."

fortiss Wissenschaftler Tewodros Beyene

Wann hast du angefangen, dich fürs Programmieren zu interessieren?

Als ich noch in der High School in Addis Abeba, Äthiopien, war, traf ich jemanden, der gerade seinen Abschluss in Informatik gemacht hatte. Er erzählte mir immer davon, was Programme tun und wie er sie schreiben würde, und das hinterließ bei mir ein gewisses Interesse am Programmieren. Allerdings wusste ich erst im ersten Jahr meines Bachelor-Studiums in Informatik wirklich, wie man programmiert. Ich bin vom Programmieren begeistert, weil ich schnell selbst sehen kann, ob meine Ideen in der Praxis funktionieren oder nicht.

Was bietet dir das Arbeitsumfeld von fortiss?

Bei fortiss habe ich die Freiheit, die Herangehensweise an ein bestimmtes Problem zu wählen. Hinzu kommt die Bereitschaft des Instituts, erste Ideen mit selbst finanzierter Forschung zu unterstützen, was außergewöhnlich ist und den Forschern eine große Chance bietet, ihre ersten Ideen zu entwickeln.

„Bei fortiss habe ich die Freiheit, die Herangehensweise an ein bestimmtes Problem zu wählen.“

Was motiviert dich bei deiner Arbeit?

Wenn meine Ideen funktionieren, besteht oft eine große Chance, dass sie von einem unserer Industriepartner umgesetzt und auf reale Probleme angewendet werden. Diese anwendungsnahe Forschung motiviert mich immer wieder.

Außerdem habe ich großartige Kollegen, mit denen die Zusammenarbeit sehr viel Spaß macht. Der Austausch mit Ihnen bringt mich ebenfalls in meinen Forschungsthemen weiter.

Was ist deine Vision? Wo willst du deine Ergebnisse im Einsatz sehen?

Meine derzeitige Vision ist es, automatisierte und evidenzbasierte Zertifizierungen und Rezertifizierungen für sicherheitskritische Systeme anwendbar und effizient zu machen. Daher ist es mein Ziel, mein Forschungsprojekt Evidentia innerhalb der nächsten zwei Jahre als echtes Zertifizierungsprodukt für sicherheitskritische Luftfahrtsysteme im Einsatz zu sehen. Wenn dieses Anwendungsgebiet etabliert ist, kann die Zertifizierung auch auf andere Bereiche in der Luft- und Raumfahrt ausgeweitet werden und so auch einige Flugzeugunfälle vermeiden.

Durch fortiss hattest du die Möglichkeit nach Stanford an das SRI International zu gehen. Was nimmst du aus dieser Zeit mit?

Dieser Forschungsaufenthalt wurde durch die langjährige Forschungszusammenarbeit zwischen fortiss und dem SRI International ermöglicht. Während meines sechsmonatigen Aufenthalts bei SRI hatte ich die Gelegenheit, mit einigen der besten Ingenieure und Wissenschaftler der Welt Ideen zu diskutieren, diese Ideen zu entwickeln und in ein Werkzeug umzusetzen. Ich konnte auch die Herausforderungen und Vorteile eines evidenzbasierten integrierten Verifikationsrahmens klar erkennen. Dies war eine unschätzbare Erfahrung für mich. Das Evidentia-Rahmenwerk ist eines der Ergebnisse dieses Besuchs. Wir arbeiten weiterhin eng mit SRI International zusammen, insbesondere bei der Vorbereitung von Projektvorschlägen im Zusammenhang mit dem Evidentia-Rahmenwerk.

Was kannst du anderen Bewerbern mit auf den Weg geben, wenn sie sich bei fortiss bewerben wollen?

Für alle, die motiviert sind, ihr theoretisches Wissen in einer realen industriellen Umgebung anzuwenden, ist fortiss ein großartiger Ort, um sich in die anwendungsorientierte Forschungsumgebung einzuarbeiten.