Fallstudie Coding Public Value
Öffentliche Medienanstalten stehen vor der Herausforderung, den abstrakten Begriff des „Public Value“ in konkrete Anforderungen für softwareintensive Systeme zu übersetzen. Das Forschungsprojekt Coding Public Value hatte genau dieses Ziel: Es entwickelte Leitlinien und Methoden für ein verantwortungsvolles Software Engineering, um diese Lücke zu schließen. Das Ergebnis: Öffentlich-rechtliche Sender verfügen nun über praxisnahe Rahmenwerke, um nutzerzentrierte und rechtskonforme digitale Plattformen aufzubauen.
Herausforderung
Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten tun sich schwer, den abstrakten Begriff „Public Value“ in konkrete Softwareanforderungen zu operationalisieren. Klassische Ansätze des Software Engineering integrieren regulatorische, rechtliche und redaktionelle Vorgaben bislang kaum. Gemeinsam mit seinen Partnern stellte fortiss daher ein interdisziplinäres Forschungsteam auf, das Ansätze für ein verantwortungsvolles Software Engineering entwickelte, die Nutzerbedürfnisse, Rechtskonformität und gesellschaftliche Werte in Einklang bringen.
Lösung
fortiss übernahm die Leitung bei der Entwicklung einer Leitlinie für Requirements Engineering, die auf interdisziplinärer Zusammenarbeit basiert. Dabei entstand ein artefaktbasiertes Modell, das eine Brücke zwischen Software-, Rechts- und Redaktionsteams schlägt, um Anforderungen systematisch zu definieren und nachzuverfolgen. Dieser Ansatz ermöglichte es, die Perspektiven unterschiedlicher Stakeholder in Anforderungsartefakte einzubeziehen und dabei Konsistenz über die Zeit hinweg sicherzustellen.
Auf diese Weise unterstützt die Lösung eine verantwortungsvolle und rechtskonforme Softwareentwicklung, die rechtliche Rahmenbedingungen, Nutzerinteressen und technische Umsetzung nahtlos miteinander verbindet.
Ergebnis
- Entwicklung einer Public-Value-orientierten Leitlinie für Requirements Engineering im Bereich Mediensysteme
- Einführung eines artefaktbasierten Ansatzes zur systematischen Integration von rechtlichen, politischen und nutzerorientierten Anforderungen
- Ermöglichung einer nachvollziehbaren und regelkonformen Spezifikation von Softwareanforderungen über Disziplingrenzen hinweg
- Bereitstellung praxisnaher Rahmenwerke für öffentlich-rechtliche Sender zur Entwicklung nutzerzentrierter, verantwortungsvoller digitaler Plattformen
- Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Softwareingenieuren, Juristen und Medienfachleuten
- Grundsteinlegung für weitere Forschung im Bereich wertorientiertes und regulierungskonformes Software Engineering
Fazit
Das Projekt CPV hat gezeigt, dass artefaktbasiertes Software Engineering es Medienanstalten ermöglicht, komplexe rechtliche und gesellschaftliche Anforderungen in praxisnahe, rechtskonforme Softwarelösungen zu übersetzen. Der interdisziplinäre Ansatz von fortiss stellt sicher, dass technologische Entwicklungen mit Public-Value-Zielen im Einklang stehen – und stärkt so sowohl das Vertrauen der Nutzer als auch die regulatorische Verlässlichkeit digitaler Medienplattformen.


