Im Projekt ZNAflow übernahm fortiss eine zentrale Rolle. Die Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Requirements Engineering und Machine Learning haben die Anforderungen der klinischen Praxis systematisch erfasst und in einem speziell entwickelten Artefaktmodell abgebildet. Dieses Modell bildet die komplexen Abläufe und Abhängigkeiten in einer Notaufnahme realistisch ab und schafft so die Grundlage für ein praxistaugliches Assistenzsystem.
Darauf aufbauend entwickelte fortiss einen Prototyp für ein KI-basiertes Prognosemodell. Es verarbeitet historische ZNA-Daten, Dringlichkeitsstufen, Wetter- und Kalenderinformationen sowie weitere Einflussfaktoren und prognostiziert Überlastungssituationen bis zu drei Stunden im Voraus. Gleichzeitig zeigt das System die wichtigsten Einflussfaktoren transparent an, sodass das Personal die Vorhersagen nachvollziehen kann.
Mehr Sicherheit und Entlastung für Klinikpersonal
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von fortiss war die Untersuchung der ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte (ELSI) beim Einsatz von KI in Notaufnahmen. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in einen praxisnahen Leitfaden ein, der Kliniken und Entwickler*innen Orientierung für einen verantwortungsvollen Einsatz datenbasierter Systeme bietet.
Das Assistenzsystem visualisiert die prognostizierte Auslastung auf einem intuitiven Dashboard. So können medizinische Teams kritische Situationen frühzeitig erkennen und gezielt reagieren – etwa durch Anpassungen in der Dienstplanung, das Freihalten diagnostischer Kapazitäten oder die rechtzeitige Verlegung von Patient*innen. Auf diese Weise werden Versorgungssicherheit und Handlungssicherheit deutlich erhöht, während das Personal entlastet wird. "ZNAflow ermöglicht es uns, die Leistungsfähigkeit von KI-basierten Assistenzsystemen in der Notaufnahme praxisnah zu evaluieren. Besonders spannend ist, wie datenbasierte Vorhersagen medizinische Prozesse unterstützen und gleichzeitig als wissenschaftliche Grundlage für weitere Optimierungen dienen können", betont Florian Angermeir, Projektleiter bei fortiss.
Test in weiteren Notaufnahmen geplant
Mit Abschluss von ZNAflow ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung und Optimierung klinischer Prozesse gelungen. Künftig soll das System in weiteren zentralen Notaufnahmen (ZNA) erprobt werden, um die Prognosequalität zu validieren und die Anwendung weiter zu verbessern.
Neben fortiss waren die AGAPLESION gAG, das AGAPLESION Evangelische Krankenhaus Mittelhessen, die DOCYET GmbH und die Technische Universität München als Verbundkoordinatorin maßgeblich am Erfolg von ZNAflow beteiligt.